
Ein traditionsreiches Hotel, das seit über einem Jahrzehnt verlassen ist.
Jirka
Dieses einst blühende Kur- und Wellnesshotel bietet einen faszinierenden Einblick in einen eingefrorenen Alltag, der seit der Schließung vor über 10 Jahren unverändert geblieben ist.
Die Geschichte dieses Hauses begann im 19. Jahrhundert, als hier erste Bade- und Gästehäuser entstanden. Aus dieser frühen Anlage entwickelte sich über Jahrzehnte ein großer Hotelkomplex mit mehr als 140 Betten, zahlreichen Bade- und Duschräumen, mehreren Sälen und weitläufigen Aufenthaltsbereichen. Das Haus wurde zu einem Ort für Erholung, für Wochenendgäste und für alle, die gezielt Anwendungen und Auszeiten suchten. Eine besondere Rolle spielte der kleine eigene Hotellift, der das Gelände im Winter zu einem Ausflugsziel für Familien machte, während im Sommer wandernde und Erholungssuchende die Umgebung nutzten. Später wurde der Betrieb als Vier-Sterne-Hotel geführt, mit historischen Räumen und einer Infrastruktur, die für viele Veranstaltungen geeignet war. Über die Jahre hinweg blieb das Haus ein fester Bestandteil der touristischen Landschaft, auch wenn die technischen Anforderungen stetig stiegen und die Modernisierungen immer aufwendiger wurden.
Das Hotel wurde über Jahrzehnte als Familienbetrieb geführt, mit persönlichem Einsatz, klarer Verantwortlichkeit und einem Alltag, der vom frühen Morgen bis spät in die Nacht reichte. Doch die Größe des Hotels, der stetig wachsende Renovierungsbedarf und die wirtschaftliche Belastung führten dazu, dass die Betreiberfamilie irgendwann vor einer Entscheidung stand. Sie wollte den Betrieb nicht mehr alleine tragen und entschloss sich zum Verkauf. Der neue Eigentümer trat mit großen Plänen an: zusätzliche Zimmer, ein neues Dach, ein komplett überarbeitetes Wellnesskonzept. Baugesuche wurden eingereicht und erste Arbeiten begonnen, doch schon kurz darauf kam es zu Problemen. Teile der Arbeiten waren nicht genehmigt, was zu einem behördlichen Baustopp führte. Die ursprünglichen Genehmigungen liefen später aus, und das Projekt blieb liegen. Die angekündigte Erneuerung fand nicht statt, und der große Hotelkomplex blieb geschlossen und ungenutzt zurück.
Bei unserem Besuch fühlten wir uns in eine andere Zeit versetzt. Die Atmosphäre war geprägt von der Stille und dem Verfall, während gleichzeitig der Eindruck eines einst lebhaften Ortes blieb. Überall begegneten uns Erinnerungen an die Vergangenheit, vom Mobiliar bis hin zu den noch vorhandenen persönlichen Gegenständen. Es war faszinierend und zugleich traurig zu sehen, wie der Alltag hier einfach stehen geblieben ist, während die Welt draußen weitergezogen ist.
Dieser Ort bleibt uns im Gedächtnis wegen der beeindruckenden Erhaltungszustände der Zimmer und Einrichtungen, der Geschichte, die hinter dem Verfall steckt, und der spürbaren Atmosphäre eines eingefrorenen Alltags, der an die Blütezeiten des Hotels erinnert.